BIPIs Geschichte

Es war einmal vor langer Zeit ein kleiner Junge. Anders als heute war es damals durchaus üblich relativ viele Kinder zu bekommen und so hatte auch der Junge, den seine Eltern Robert getauft hatten, 13 Geschwister. Bei so vielen Leuten könnt Ihr Euch bestimmt vorstellen, dass bei Robert zu Hause immer mächtig was los war.

Der Junge mochte den Trubel zu Hause nicht besonders, und freute sich immer darauf, wenn er mit seinem Großvater raus aus der Stadt konnte um im Grünen die Ruhe zu genießen und Tiere zu beobachten. Er genoss es abseits der vielen Menschen nur mit seinem Opa in der Natur unterwegs zu sein. Das waren Stunden, in denen Robert richtig abschalten konnte. Alle Probleme in der Schule und auch die Hektik zu Hause waren in diesen Momenten vergessen.

Doch plötzlich kam Roberts Leben mächtig durcheinander, als der Großvater überraschend starb. Der achtjährige Robert hatte nun niemanden mehr, der mit Ihm gemeinsam auf Streifzüge in die Natur aufbrach. Der Junge beschloss seinen Opa so oft als möglich auf dem Friedhof zu besuchen. In der Stadt kannte sich Robert nicht besonders gut aus, und so kam es, dass er eines Tages vom direkten nach Hause Weg vom Friedhof versehentlich ein Armenviertel der Stadt durchquerte.

Seine Familie war zwar nicht besonders reich, es gab ja schließlich 15 Mäuler zu stopfen, aber das Geld reichte um in einer durchschnittlichen Londoner Wohngegend in bescheidenen Verhältnissen zu leben. Doch im Gegensatz zu den Leuten in dem Armenviertel, durch das Robert auf dem nach Hauseweg vom Friedhof kam, hatte seine Familie alles, was sie zum Leben brauchte. Die Menschen die Ihm entgegenkamen hatten nicht einmal richtige Kleider an, sondern waren nur in Lumpen gehüllt. Die Straßen waren, anders als bei Ihm zu Hause, von Müll und Unrat bedeckt und da Robert richtige Kleider trug wurde er mehrmals von den Leuten um etwas Essbares angebettelt. Dem Jungen taten die Menschen, die in dem Armenviertel leben mussten, sehr leid und er beschloss neben seinen Ausflügen ins Grüne auch ab und an in das Armenviertel zu gehen um das Leben der Anwohner kennen zu lernen und wenn möglich Ihnen zu helfen.

Wichtigste Ansprechpartner nach dem Tod seines Großvaters wurden Roberts Brüder, und so kam es, dass er in den weiteren Jahren oft mit den Brüdern auf Ferienfahrten ging und so beim Zelten und durchwandern des Landes, England und seine Mitbürger besser kennen lernte.

Mit 13 Jahren wechselte Robert auf eine weiterführende Internatsschule. Er lernte dort zum Leidwesen der Lehrer, wie man sich unbemerkt aus dem Gebäude und durch den Schulpark schleichen konnte. Ebenso perfektionierte er ein Lagerfeuer zu machen, das nicht rauchte. So konnten er und seine Freude abends unbemerkt aus dem Internat ausbüchsen und in einiger Entfernung im Schulpark am Lagerfeuer zusammensitzen, ohne das das Feuer von den Aufsichtführenden Lehrern der Schule bemerkt wurde.

Robert war ein unterdurchschnittlicher Schüler und ragte in der Schule in keinem Fach besonders hervor. Aber er war ein guter Schauspieler, was er bei Schulaufführungen unter Beweis stellte und er hielt das Tor der Fußballmannschaft der Schule meist sauber.

Da seine schulischen Leistungen, wie schon gehört, nicht sonderlich gut waren fiel Robert durch die Aufnahmeprüfung der Hochschule von Oxford und hatte somit keine Möglichkeit zu studieren.

Vielleicht deshalb weil sein Onkel Ihm einiges über seine Dienstzeit beim Britischen Militär erzählt hatte. Oder auch deshalb, weil er eine Möglichkeit suchte in die Welt hinaus zu kommen, legte der mittlerweile beinahe Erwachsene Junge freiwillig eine Aufnahmeprüfung beim Militär ab und bestand als Zweitbester von einigen hundert Bewerbern und wurde für eine Offizierslaufbahn ausgewählt.

In der Zeit als Robert beim Militär war gab es noch keine Maschinengewehre wie heute. Es war zu der Kolonialzeit, als England noch viele Kolonien in Indien, Afrika und Südamerika besaß und das Militär die Aufgabe hatte, die Menschen der besetzten Länder in Schach zu halten.

In seiner ersten Station wurde das Regiment von Robert nach Indien geschickt. Der Junge Unteroffizier Robert bekam hier einige Soldaten zugeteilt, für welche er als Vorgesetzter verantwortlich war. Er bildete aus den meist Jugendlichen kleine Gruppen von 6-8 Leuten und ließ für jede Gruppe einen Patrullienleiter wählen. Ihm war es wichtig das Verantwortungsbewusstsein seiner Jungs zu stärken und entgegen des herkömmlichen militärischen Führungsstiles Denkanstöße zu geben. Zudem organisierte er Theateraufführungen in der Kaserne als Freizeitprogramm. Wie auch schon zu seinen jungen Jahren erkundete er so oft es ging die Natur, wobei der Dschungel von Indien eine andere Herausforderung an ihn stellte als die heimischen Wälder um London. Als er auch in Indien Armenviertel durchquerte kam Robert zu der Erkenntnis dass das Verhalten der Briten gegenüber den Einheimischen, welche als minderwertig angesehen wurden, nicht in Ordnung war und dass er was daran ändern wollte.

Aufgrund seines hervorragenden Orientierungssinnes wurde er befördert und sollte von nun an die Ausbildung für die Spurenleser, der sogenannten Scouts, seines Regimentes übernehmen.

Aufgrund einer explosiven Situation in den britischen Kolonien in Afrika wurde das 13. Husaren Regiment, dem Robert angehörte nach Afrika, genauer gesagt in die Region des heutigen Ghana versetzt. Dort war er mit seinen Scouts an der Gefangennahme des letzten Königs des aufständischen Stammes der Aschanti beteiligt.

Nicht zu letzt deshalb wurde er in den nächsten Jahren weiter befördert und bekam den Oberbefehl über 700 Soldaten, die in der Stadt Mafeking stationiert waren. Bald darauf gab es in der Nähe der Stadt einen Aufstand denn das einfache Volk wollte Anteil an dem Reichtum der Stadtbewohner und nicht länger von den Briten unterdrückt werden. So kam es, dass die Stadt von über 9000 Mann umstellt und überfallen wurde. Robert verteidigte gemeinsam mit seinen Soldaten die Stadt und schlug den Aufstand nieder. Durch die Verteidigung der Stadt wurde Robert in England als Kriegsheld gefeiert, doch er empfand nur noch Verachtung für den Krieg und bedauerte was er mit angerichtet hatte.

Er schied aus dem Militär aus und wollte von nun an die Dinge die er gelernt hatte wie Spurensuche, Feuermachen, sich orientieren, in einer Gemeinschaft

zusammenhalten, demokratisch und eigenverantwortlich handeln, arm und reich zusammen bringen und die Armmut zu bekämpfen und vor allem Frieden zu schaffen und wo Frieden besteht Ihn zu sichern, an die Jugend weiter geben.

1907 gründete er dann eine Jugendpfadfindertruppe bei der Jugendliche aus allen gesellschaftlichen Schichten aufgenommen wurden und veranstaltete gemeinsam mit den ca. 20 Jugendlichen das erste Pfadfinderlager auf der Halbinsel Brownsea Island in Großbritannien.

Um die Jugendlichen der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten gleich zu stellen führte es die Pfadfindertracht ein. So waren alle in der Gruppe gleich und keinem konnte anhand der Kleidung angesehen werden ob er aus einer armen oder reichen Familie stammte.

Seine Vision zur Friedenssicherung war es die Jugendlichen der Welt mit einander bekannt zu machen. Er hatte die eigene Erfahrung gemacht, dass man nur gegen einen „Unbekannten“ Krieg führen kann. Jemand der sich kennt, schätzen gelernt hat und auch die Traditionen anderer Kulturen versteht kann nicht gegeneinander kämpfen. Aus diesem Grund förderte er über weltweite Pfadfindertreffen das Kennenlernen der Jugendlichen bis hin zum ersten Weltpfadfindertreffen, dem „Jamboree“, an dem 1920 bereits über 8.000 Pfadfinder aus 34 Ländern teilnahmen. Auf dem Jamboree 1929 waren es dann schon 50.000 Pfadis aus 72 Ländern.

In seinen letzten Lebensjahren zog sich Robert Stephenson Smyth Baden-Powell, von den Pfadfindern kurz BiPi genannt, gemeinsam mit seiner Frau in ein bescheidenes Häuschen nach Nyeri in Kenia, zurück wo er dann am 8. Januar 1941 verstarb. In der Zeit kurz vor seinem Tod schrieb er einen Abschiedsbrief an alle Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit welchem er seine wichtigsten Werte weitergeben wollte.

Zur Info:

* Heute gibt es weltweit über 38 Mio. Pfadfinder.

* Und wir sind ein Teil davon.

* 107 Jahre seit dem ersten Pfadfinderlager auf Brownsea Island.

Quelle: VCP Spraitbach (D)

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